Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft: Folsäure, Jod, DHA und was sonst sinnvoll ist

Titelbild: Nahrungsergänzung in der Schwangerschaft

Fachlich geprüft von Peter Andrukonis · Stand: Oktober 2026

Kaum eine Lebensphase ist mit so vielen Empfehlungen zu Nahrungsergänzung verbunden wie die Schwangerschaft. Das Angebot an Schwangerschaftspräparaten ist groß, die Verunsicherung ebenso. Dieser Beitrag fasst zusammen, was Fachgesellschaften tatsächlich empfehlen, welche Nährstoffe gezielt ergänzt werden sollten und wo Zurückhaltung angebracht ist. Er ersetzt nicht das Gespräch mit Frauenärztin oder Frauenarzt, die die individuelle Situation kennen.

Die Basis: Qualität statt Menge

Der Energiebedarf steigt in der Schwangerschaft weniger als oft angenommen: im zweiten Drittel um etwa 250 kcal, im dritten um etwa 500 kcal pro Tag. Der Bedarf an vielen Vitaminen und Mineralstoffen steigt dagegen deutlich stärker. Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ und das österreichische Programm „Richtig essen von Anfang an!“ empfehlen deshalb eine nährstoffdichte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Milchprodukten und ein- bis zweimal pro Woche fettem Seefisch. Die meisten Nährstoffe lassen sich so decken. Für einige ist eine gezielte Ergänzung dennoch sinnvoll.

Folsäure: schon vor der Schwangerschaft

Folsäure ist die am besten belegte Ergänzung rund um die Schwangerschaft. Sie senkt das Risiko für Neuralrohrdefekte wie Spina bifida deutlich. Eine Cochrane-Übersicht bestätigt diesen Effekt eindeutig. Entscheidend ist der Zeitpunkt: Das Neuralrohr schließt sich bereits in der dritten bis vierten Woche nach der Befruchtung, oft bevor die Schwangerschaft bekannt ist.

Empfohlen werden 400 µg Folsäure täglich, beginnend mindestens vier Wochen vor einer geplanten Schwangerschaft und bis zum Ende des ersten Drittels. Wer erst später mit der Einnahme beginnt, kann in Absprache mit der Ärztin vorübergehend eine höhere Menge nehmen. Bei bestimmten Risikofaktoren, etwa einem früheren Neuralrohrdefekt oder bestimmten Medikamenten, wird eine deutlich höhere Dosierung verordnet. Mehr dazu im Beitrag zu Folsäure und Folat bei Kinderwunsch.

Jod: für die Schilddrüse des Kindes

Der Jodbedarf steigt in der Schwangerschaft, weil die kindliche Schilddrüse mitversorgt werden muss. Jod ist für die Entwicklung des Gehirns wichtig. Österreich gilt zwar seit Einführung des Jodsalzes als ausreichend versorgt, Schwangere erreichen die empfohlene Menge aber oft nicht. „Gesund ins Leben“ empfiehlt neben jodiertem Salz und Seefisch eine Ergänzung von 100 bis 150 µg Jod pro Tag. Bei Schilddrüsenerkrankungen sollte die Einnahme vorher ärztlich abgesprochen werden. Details im Beitrag zu Jod: Bedarf, Quellen und Überversorgung.

DHA: wenn kein Fisch auf den Tisch kommt

Die Omega-3-Fettsäure DHA wird für die Entwicklung von Gehirn und Augen des Kindes gebraucht. Wer ein- bis zweimal pro Woche fetten Seefisch wie Lachs, Hering oder Makrele isst, ist meist gut versorgt. Wer keinen Fisch isst, sollte laut Empfehlung mindestens 200 mg DHA pro Tag ergänzen, etwa über Fischöl oder vegan über Algenöl. Studien deuten zudem auf ein geringeres Risiko für Frühgeburten bei guter Omega-3-Versorgung hin. Mehr dazu im Beitrag zu Omega-3, EPA und DHA.

Eisen: nur nach Blutwert

Der Eisenbedarf verdoppelt sich in der Schwangerschaft nahezu. Trotzdem raten die deutschsprachigen Empfehlungen von einer pauschalen Eisenergänzung ab. Eisen wird nur ergänzt, wenn Blutbild und Ferritin einen Mangel zeigen. Diese Werte werden im Mutter-Kind-Pass regelmäßig kontrolliert. Der Grund: Bei ausreichender Versorgung bringt zusätzliches Eisen keinen Nutzen, kann aber Magen-Darm-Beschwerden verursachen und wird in hohen Mengen kritisch gesehen. Gute Nahrungsquellen sind Fleisch, Hülsenfrüchte und Vollkorn, kombiniert mit Vitamin C. Details im Beitrag zu Eisen, Ferritin und Aufnahme.

Vitamin D: je nach Jahreszeit

Vitamin D ist für den Calciumstoffwechsel und die Knochenentwicklung wichtig. Es wird vor allem über die Haut gebildet. In den Wintermonaten und bei wenig Aufenthalt im Freien kann eine Ergänzung sinnvoll sein, die üblichen Mengen in Schwangerschaftspräparaten liegen bei 400 bis 800 I.E. pro Tag. Ein Blutwert gibt Orientierung. Mehr dazu im Beitrag Vitamin D im Wiener Winter.

Was in der Schwangerschaft nicht ergänzt werden sollte

  • Vitamin A als Retinol in hohen Mengen: kann dem Kind schaden. Leber und Leberprodukte sollten im ersten Drittel gemieden werden, Präparate mit hohem Retinolgehalt ebenso. Beta-Carotin aus Gemüse ist unproblematisch. Details im Beitrag zu Vitamin A.
  • Pflanzliche Präparate und Adaptogene: Für Ashwagandha, Rosenwurz und viele andere Pflanzenextrakte fehlen Sicherheitsdaten in der Schwangerschaft, von der Einnahme wird abgeraten.
  • Hochdosierte Einzelvitamine: „Viel hilft viel“ gilt nicht. Mengen deutlich über dem Bedarf haben keinen belegten Nutzen.
  • Produkte mit unklarer Zusammensetzung: Besonders bei Online-Käufen aus dem Ausland lohnt ein genauer Blick auf das Etikett. Worauf zu achten ist, erklärt der Beitrag Qualität erkennen und Etiketten richtig lesen.

Kombipräparat oder Einzelstoffe?

Spezielle Schwangerschaftspräparate kombinieren meist Folsäure, Jod, DHA und Vitamin D in sinnvollen Mengen. Das ist praktisch, entbindet aber nicht vom Blick auf die Zusammensetzung: Jodgehalt, Folsäuremenge und das Fehlen von hochdosiertem Retinol sind die wichtigsten Punkte. Wer bereits Medikamente einnimmt, etwa Schilddrüsenhormone, sollte den Einnahmezeitpunkt beachten. Mehr dazu im Beitrag zu Wechselwirkungen mit Medikamenten.

Fazit

Gut belegt und empfohlen sind Folsäure ab Kinderwunsch, Jod während der gesamten Schwangerschaft, DHA bei fehlendem Fischkonsum und Vitamin D je nach Jahreszeit und Blutwert. Eisen wird nur bei nachgewiesenem Mangel ergänzt. Von hochdosiertem Vitamin A, pflanzlichen Extrakten und unnötigen Hochdosispräparaten ist abzuraten. Die Grundlage bleibt eine ausgewogene Ernährung, begleitet von den Kontrollen im Mutter-Kind-Pass.

Häufige Fragen

Ab wann sollte man Folsäure nehmen?

Mindestens vier Wochen vor einer geplanten Schwangerschaft und bis zum Ende des ersten Schwangerschaftsdrittels, in einer Menge von 400 µg pro Tag.

Braucht jede Schwangere ein Eisenpräparat?

Nein. Eisen wird nur ergänzt, wenn Blutbild und Ferritin einen Mangel zeigen. Diese Werte werden im Mutter-Kind-Pass kontrolliert.

Wie viel Jod ist in der Schwangerschaft sinnvoll?

Empfohlen wird eine Ergänzung von 100 bis 150 µg Jod pro Tag zusätzlich zu jodiertem Salz und Seefisch. Bei Schilddrüsenerkrankungen vorher ärztlich abklären.

Welche Nahrungsergänzung ist in der Schwangerschaft tabu?

Hochdosiertes Vitamin A (Retinol), die meisten pflanzlichen Extrakte wie Ashwagandha sowie Hochdosispräparate ohne nachgewiesenen Bedarf.

Weiterlesen im Ratgeber

Quellen

Mikronährstoffe

Hergestellt in Österreich, laborgeprüft, von unserem Team ausgewählt – Multivitamin mit Q10, Magnesium 7 Komplex, Bio-Ashwagandha, Creatin und essenzielle Aminosäuren. Online bestellen.

Weitere Beiträge