Kaum ein Nahrungsergänzungsmittel wird so häufig gekauft – und so kontrovers diskutiert – wie das Multivitamin. Die einen schwören auf die tägliche Kapsel als „Versicherung“, andere halten sie für teuren Urin. Hinzu kommt Coenzym Q10, das gern in Kombinationspräparaten steckt. Dieser Ratgeber zeigt, was große Studien tatsächlich gefunden haben, für wen Vorsicht und für wen eine Ergänzung sinnvoll sein kann.
Was ein Multivitamin leisten kann – und was nicht
Ein Multivitamin-Mineralstoff-Präparat enthält mehrere Vitamine und Mineralstoffe in meist moderaten Mengen. Es soll Lücken in der Versorgung schließen, nicht eine ausgewogene Ernährung ersetzen. Wer sich vielseitig mit Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Fisch und Milchprodukten oder pflanzlichen Alternativen ernährt, deckt den Bedarf der meisten Mikronährstoffe bereits über das Essen. Der mögliche Nutzen eines Multivitamins hängt deshalb stark davon ab, wo die persönlichen Lücken liegen.
Was große Studien sagen
Die Datenlage zu Multivitamin-Präparaten kommt vor allem aus zwei großen, randomisierten Studien mit gesunden, überwiegend älteren Erwachsenen. Beide liefern interessante, aber begrenzte Ergebnisse:
| Studie | Teilnehmende | Ergebnis | Einordnung |
|---|---|---|---|
| COSMOS (Teilstudien zur Kognition) | Ältere Erwachsene (Durchschnitt ca. 70 Jahre); Analyse von drei Teilstudien mit insgesamt über 5.000 Personen | Verbesserung von Gedächtnis und allgemeiner Kognition gegenüber Placebo; Effekt entspricht rechnerisch etwa 2 Jahren weniger kognitiver Alterung | Teilnehmende überwiegend gesund und weiß; ein bestimmtes Präparat untersucht; Ergebnis nicht automatisch auf jedes Produkt übertragbar |
| Physicians’ Health Study II | Über 14.000 männliche Ärzte ab 50 Jahren, Beobachtung ca. 11 Jahre | Leicht weniger Krebserkrankungen (ca. 8 %), kein Effekt auf Herzinfarkt, Schlaganfall und Sterblichkeit | Nur Männer; Effekt klein; nicht als Krebsvorsorge zu verstehen |
Fachgremien sehen deshalb weiterhin keinen ausreichenden Beleg dafür, ein Multivitamin allen Gesunden zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs zu empfehlen. Die Kognitionsdaten sind ein spannender Hinweis, mehr nicht.
Für wen kann ein Multivitamin sinnvoll sein?
Coenzym Q10: Was steckt dahinter?
Coenzym Q10 (Ubichinon) wird vom Körper selbst gebildet und ist in den Mitochondrien – den „Kraftwerken“ der Zellen – an der Energiegewinnung beteiligt. Außerdem wirkt es als fettlösliches Antioxidans. Die körpereigene Produktion nimmt mit dem Alter ab, außerdem enthalten Fleisch, Fisch und Nüsse geringe Mengen. Ob eine zusätzliche Zufuhr im Alltag etwas bringt, ist allerdings nur in wenigen Bereichen gut untersucht.
| Anwendungsfeld | Datenlage zu Coenzym Q10 |
|---|---|
| Herzinsuffizienz | In einer größeren Studie (Q-SYMBIO) traten unter hochdosiertem Q10 zusätzlich zur Standardtherapie weniger schwere Herzereignisse auf – ärztlich begleitet; nicht auf Gesunde übertragbar |
| Statin-Muskelbeschwerden | Metaanalysen uneinheitlich, kein klarer Nutzen belegt |
| Alterung allgemein | Körpereigene Produktion nimmt ab; ob Ergänzung spürbaren Nutzen bringt, ist unklar |
| Verträglichkeit | Meist gut verträglich; kann Magen-Darm-Beschwerden verursachen; Wechselwirkung mit Blutverdünnern möglich |
Q10 ist fettlöslich: Es wird besser aufgenommen, wenn es zu einer Mahlzeit mit etwas Fett eingenommen wird. Studienmengen liegen meist bei etwa 100 bis 300 mg täglich. Ob die Form Ubiquinol der Form Ubichinon überlegen ist, ist nicht abschließend geklärt.
Worauf bei der Auswahl zu achten ist
Fazit
Ein Multivitamin ist kein Muss, aber auch kein Unsinn: Für Menschen mit Versorgungslücken – etwa bei veganer Ernährung, im höheren Alter oder bei eingeschränkter Aufnahme – kann es eine sinnvolle Ergänzung sein. Die Studienlage für gesunde Menschen ist begrenzt; ein Hinweis auf positive Effekte auf Gedächtnis bei Älteren verdient weitere Forschung. Coenzym Q10 hat seinen Platz vor allem in ärztlich begleiteten Situationen. In unserem Multivitamin Premium mit Q10 sind 160 mg Vitamin C pro Tagesportion enthalten; die vollständige Zusammensetzung steht auf der Produktseite. Wer wissen möchte, ob wirklich etwas fehlt, kann einzelne Werte im Rahmen einer ärztlichen Blutuntersuchung bestimmen lassen.
Weiterlesen im Ratgeber
- Vitamin D im Wiener Winter: Dosierung und Blutwerte
- B-Vitamine: Aufgaben, Mangel und Infusion
- NAD+: Der aktuelle Stand der Forschung
Quellen und weiterführende Informationen
- COSMOS: Multivitamin-Supplementierung und kognitive Funktion (Übersichtsarbeit)
- Nutraingredients: Daily multivitamin may improve cognition (COSMOS-Mind)
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise.