Fachlich geprüft von Peter Andrukonis · Stand: Oktober 2026
Probiotika sind lebende Mikroorganismen, meist Milchsäurebakterien oder bestimmte Hefen, die in ausreichender Menge einen gesundheitlichen Nutzen haben sollen. Sie stecken in Joghurt, Kefir und Sauerkraut sowie in Kapseln und Pulvern. Das Angebot ist groß, die Studienlage dagegen sehr unterschiedlich. Dieser Beitrag zeigt, wo die Belege am stärksten sind, warum der Bakterienstamm entscheidend ist und für wen Vorsicht gilt.
Probiotika, Präbiotika, Synbiotika: Was ist der Unterschied?
- Probiotika sind die lebenden Mikroorganismen selbst, am häufigsten Laktobazillen und Bifidobakterien sowie die Hefe Saccharomyces boulardii.
- Präbiotika sind unverdauliche Nahrungsbestandteile wie Inulin, die den Darmbakterien als Futter dienen. Sie kommen etwa in Zwiebeln, Lauch, Chicorée und Haferflocken vor.
- Synbiotika kombinieren beides in einem Produkt.
Warum der Stamm entscheidet
Probiotikum ist nicht gleich Probiotikum. Ergebnisse gelten jeweils nur für den untersuchten Stamm, die Dosis und die Anwendung. Wenn ein Stamm bei einer Beschwerde hilft, lässt sich das nicht auf andere Stämme übertragen. Gute Präparate geben deshalb den vollständigen Stammnamen und die Keimzahl (KBE, koloniebildende Einheiten) bis zum Ende der Haltbarkeit an. Die US-Gesundheitsbehörde NCCIH weist darauf hin, dass weiterhin unklar ist, welche Produkte, Mengen und Personengruppen am meisten profitieren.
Wo die Studienlage am besten ist: Durchfall bei Antibiotika
Antibiotika bringen die Darmflora durcheinander, und häufig kommt es zu Durchfall. Ein Cochrane-Review mit 33 Studien und über 6.300 Kindern zeigt, dass bestimmte Probiotika dieses Risiko deutlich senken können:
Am besten untersucht waren Lactobacillus rhamnosus GG und Saccharomyces boulardii mit 5 bis 40 Milliarden KBE pro Tag. Höhere Dosen schnitten besser ab als niedrige. Auch für Erwachsene gibt es Hinweise auf einen Nutzen, bei älteren Menschen ist das Bild weniger klar. Zusätzlich kann das Risiko für eine Infektion mit Clostridioides difficile bei Antibiotika-Einnahme sinken.
Weitere Anwendungen
Laut NCCIH gibt es vielversprechende Hinweise auch beim Reizdarmsyndrom, bei Säuglingskoliken (vor allem bei gestillten Babys mit einem bestimmten L.-reuteri-Stamm) und begleitend bei Colitis ulcerosa. Gemischt oder unklar sind die Ergebnisse bei Verstopfung, Reisedurchfall, Neurodermitis, Heuschnupfen, Akne und zur Vorbeugung von Allergien. Für die Vorbeugung von Harnwegsinfekten wurde kein Nutzen gefunden. Für die Abwehrkräfte allgemein ist die Studienlage uneinheitlich. Wichtig: In der EU ist bisher keine gesundheitsbezogene Angabe für Probiotika zugelassen.
Lebensmittel oder Kapsel?
Fermentierte Lebensmittel wie Naturjoghurt, Kefir oder Sauerkraut liefern lebende Kulturen und passen gut in eine abwechslungsreiche Ernährung. Ihre Keimzahl und Stämme sind aber nicht standardisiert. Wer ein Probiotikum gezielt nutzen möchte, etwa während einer Antibiotika-Behandlung, ist mit einem Präparat mit einem gut untersuchten Stamm und klarer Keimzahl besser beraten. Für eine vielfältige Darmflora sind ballaststoffreiche Lebensmittel mindestens so wichtig.
Wie sicher sind Probiotika?
Für gesunde Menschen gelten Probiotika als gut verträglich. Zu Beginn können Blähungen oder ein Völlegefühl auftreten. Im Cochrane-Review traten keine schweren Nebenwirkungen auf, die den Probiotika zugeschrieben wurden. Vorsicht gilt bei schwer kranken oder immungeschwächten Menschen, bei Menschen mit zentralem Venenkatheter und bei Frühgeborenen: Hier wurden seltene, teils schwere Infektionen durch die zugeführten Keime beschrieben. In diesen Fällen sollte die Einnahme nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen. Probiotika sollten außerdem nie dazu führen, dass anhaltende Verdauungsbeschwerden nicht ärztlich abgeklärt werden.
Fazit
Probiotika können vor allem Durchfall unter Antibiotika vorbeugen, wenn ein gut untersuchter Stamm in ausreichender Dosis eingesetzt wird. Für viele andere Versprechen ist die Studienlage dünn oder gemischt. Entscheidend ist der Stamm, nicht der Name „Probiotikum“ auf der Packung. Gesunde Menschen vertragen Probiotika meist gut, bei geschwächtem Immunsystem ist Vorsicht geboten.
Häufige Fragen
Wann sind Probiotika sinnvoll?
Am besten belegt ist die Vorbeugung von Durchfall während einer Antibiotika-Behandlung, etwa mit Lactobacillus rhamnosus GG oder Saccharomyces boulardii in ausreichender Dosis.
Welche Dosis wurde in Studien verwendet?
Im Cochrane-Review zu Kindern schnitten 5 bis 40 Milliarden KBE pro Tag am besten ab. Höhere Dosen wirkten besser als niedrige.
Kann man Probiotika und Antibiotika gleichzeitig nehmen?
Meist wird ein zeitlicher Abstand von etwa zwei Stunden empfohlen. Die Hefe Saccharomyces boulardii wird von Antibiotika nicht angegriffen.
Für wen sind Probiotika nicht geeignet?
Für schwer kranke oder immungeschwächte Menschen, Menschen mit zentralem Venenkatheter und Frühgeborene nur nach ärztlicher Rücksprache, da seltene schwere Infektionen beschrieben wurden.
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Quellen
- Cochrane (2019): Probiotics for the prevention of pediatric antibiotic-associated diarrhea
- NCCIH (National Institutes of Health): Probiotics – Usefulness and Safety
Dieser Beitrag wurde mit KI-Unterstützung erstellt und von Peter Andrukonis fachlich geprüft. Redaktionelle Verantwortung: ANDRUKONIS Medical GmbH. So entstehen unsere Artikel


